Es ist eine bekannte Tatsache, dass das menschliche Gehirn unliebsame Aufgaben in eine Art imaginären Hinterraum schiebt, wo sie sich wie ungeöffnete Tupperdosen stapeln. Man weiß, dass sie da sind und einen Nerven kosten, doch dennoch bleibt die Hand oft untätig. Die Frage, die sich viele stellen, ist: Warum handelt es sich hierbei nicht einfach um mangelnde Motivation oder Faulheit? Stattdessen ist das Thema tief in der menschlichen Psychologie verwurzelt und hat viel mit den Funktionsweisen des Gehirns zu tun, insbesondere mit der Art und Weise, wie Angst und Stress verarbeitet werden. Prokrastination ist in der Regel kein chaotisches Ordnungsproblem, sondern ein komplexes Zusammenspiel zwischen dem limbischen System und dem präfrontalen Kortex, die beide versuchen, die emotionalen Reaktionen auf Aufgaben zu steuern.
Die Psychologie des Aufschiebens: Wo die Angst ins Spiel kommt
Viele Aufgaben sind nicht objektiv schwierig; sie fühlen sich lediglich emotional bedrohlich an. Diese Bedrohung aktiviert die Amygdala, die für die Bewertung von Gefahren zuständig ist. Plötzlich erscheint eine einfache Präsentation bei der Arbeit wie eine Herkulesaufgabe. Dies geschieht nicht, weil diese Aufgaben unüberwindbar wären, sondern weil sie negative Emotionen hervorrufen, wie die Angst vor Kritik oder dem Scheitern. Der präfrontale Kortex, der für Planung und Entscheidungen verantwortlich ist, wird in dieser belastenden Situation oft leiser, während die Amygdala laut wird.
Wie Aufschieben deine Produktivität beeinträchtigt
Aufschieben fühlt sich oft an wie Faulheit, ist jedoch ein Mechanismus zur Emotionsregulation. Menschen schieben oft aufgrund innerer Reaktionen wie Angst, Selbstzweifel oder Überforderung auf. Der entscheidende Punkt ist, dass nicht die Aufgabe selbst, sondern das damit verbundene Gefühl das Aufschieben begünstigt. Ein einfaches Beispiel ist die Steuererklärung, die viele als überfordernd empfinden, weil sie sich der Komplexität und der möglichen Fehler bewusst sind. Um dem entgegenzuwirken, ist es nötig, effektive Strategien zur Bekämpfung von Prokrastination zu entwickeln.
Strategien zur Überwindung der Prokrastination
Um das Gehirn herauszufordern und das Aufschieben zu überwinden, sind bewährte Methoden erforderlich, die helfen können, Aufgaben weniger bedrohlich erscheinen zu lassen. Die folgende Liste fasst wirksame Strategien zusammen:
- Aufgaben zerteilen: Zerlegen Sie komplexe Aufgaben in kleinere Schritte. Beispielsweise kann „Bewerbung schreiben“ in „Lebenslauf öffnen“ und „Anschreiben skizzieren“ aufgeteilt werden.
- Drei-Minuten-Regel: Beginnen Sie jede Aufgabe einfach für nur drei Minuten. Oftmals bleibt man danach direkt dran.
- Angst-Trigger identifizieren: Überlegen Sie, welche Aspekte der Aufgabe Ihnen Angst machen, um diese Aspekte bewusster zu handhaben.
- Selbstmitgefühl kultivieren: Ein freundlicher Umgang mit sich selbst hilft, Stress zu reduzieren und den präfrontalen Kortex zu stabilisieren.
- Sofortbelohnungen einbauen: Verknüpfen Sie kleine Aufgaben mit sofortigen Belohnungen, wie eine kurze Kaffeepause.
- Friktion reduzieren: Bereiten Sie Ihre Umgebung vor, indem Sie Materialien griffbereit halten und Ablenkungen minimieren.
Die Rolle von Systemen für Meisterschaft der Selbstkontrolle
Es ist wichtig zu erkennen, dass das Aufschieben keine Frage der Willenskraft ist. Vielmehr benötigen Menschen Systeme, die sie unterstützen können, auch wenn sie müde oder gestresst sind. Struktierte Workshop-Tools oder Zeitmanagement-Apps helfen dabei, die Komplexität von Aufgaben zu verringern und bieten klare Schritte zur Umsetzung. In der Praxis bedeutet das oft, den Alltag zu vereinfachen und Prioritäten gezielt zu reduzieren.
Der Schlüssel zur Überwindung von Prokrastination ist nicht das Verlangen nach mehr Disziplin, sondern das Verständnis der eigenen psychologischen Baupläne. Wer sich über die eigenen Emotionen klar wird, hat eine größere Chance, die Kontrolle über seine Aufgaben zu gewinnen. Es gilt, dem Gehirn konkrete Schritte zu zeigen, um die Angst vor einer nahenden Bedrohung zu lösen und die Dinge in Angriff zu nehmen. Schließlich erweist sich Prokrastination als ein übervorsichtiges Reaktionsmuster auf ein Gefühl, das häufig nicht real ist.



